über Herbert Tobias


Herbert Tobias

Herbert Tobias wird am 14. Dezember 1924 in Dessau geboren. Sein Vater ist Büchsenmacher und als Waffenmeister Berufssoldat. In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg arbeitet er vorübergehend in den Werkstätten des Bauhauses. Seine Jugend verbringt H. Tobias in Höxter a. d. Weser. Er macht die Lehre eines Landvermessers beim Katasteramt von Höxter. Dann muß er in den Krieg – achtzehnjährig. Ostfront – Westfront. Noch vor Kriegsende desertiert er. Dennoch gerät er in amerikanische Gefangenschaft. Erst Ende 1945 ist er zu Hause. 1947 erfüllt er sich einen Kindheitswunsch. Er geht nach Siegburg (Rheinland) auf eine Schauspielschule. Erstes Engagement bei der Niedersachsen-Bühne – einem Tournee-Theater. Er spielt, was kommt, macht Regie-Assistenz, Bühnenbild, Kostümentwurf, ist «Mädchen für alles». Mit der Währungs-Reform 1948 bricht das Unternehmen zusammen. Mit drei Kollegen macht er auf eigene Faust weiter. Sie nennen sich «Intimes Theater» und bespielen den Heidelberger Raum. Sie leben von der Hand in den Mund. Oft sind die Hände so leer wie die Abendkasse. Dennoch bezeichnet Tobias die Zeit als seine glücklichsten Jahre. In Heidelberg begegnet er seiner ersten großen Liebe: dem Amerikaner Dick. Dick ist Zivilangestellter der Besatzungsmacht. Sie werden denunziert. Dick muß nach Amerika zurück. Tobias wartet auf ihn – und folgt dem Freund nach Paris, wo Dick studieren will. Sie leben von einem winzigen Stipendium. Tobias verdient sich Rennige dazu: in der Dunkelkammer des Photographen Maywald. Dick schenkt Tobias die erste Kamera – und Tobias beginnt zu photographieren, vom Freund bestätigt und ermutigt. Seine Bilder gelangen in die Redaktionsräume der «Vogue». Man ist begeistert. Erste Veröffentlichungen folgen. Der Idealstart. Und dann passiert eine Panne. Wegen einer Sache öffentlichen Ärgernisses» und damit verbundenem «Widerstand gegen die Staatsgewalt (Handgemenge mit einem Polizisten in Zivil) wird Tobias festgenommen. Selbst einflußreiche Freunde mit Beziehungen können den ungeliebten Deutschen nicht helfen. Er wird nach Deutschland abgeschoben. Hier gewinnt er den Titelseiten-Wettbewerb der «Frankfurter Illustrierten» und wird über Nacht berühmt. Seine Bilder erscheinen überall. 1953/54 geht er nach Berlin – noch und wieder Deutschlands Modezentrum. Er wird Star-Photograph der Mode-Szene. Seine Bilder zeigen mehr als die vorgeführten Kleider. Gesichter und Situationen reden eine neue Bildsprache. Im Herbst 1954 hat er seine erste Ausstellung mit den Photos aus Paris. «Tobias schwarz-weiß-Bilder haben tausend Farben», schrieb Friedrich Luft. Für «Deutsche Grammophon» wird er zum prominentesten Cover-Gestalter. Der SFB dreht einen Film nach seinen Bildern. (Konzept und Regie: Sebastian Bontjes van Beek / Produktion: Dagmar Fambach). Er ist auf der Höhe seiner Karriere. Dann bricht er aus. Er wirkt in einem Film von George Moorse mit, führt Regie bei Schallplattenaufnahmen (Zweig: 24 Stunden aus dem Leben einer Frau mit Lil Dagover und Chansons von und mit Valeska Gert) und er will singen. 1969 geht er nach Hamburg. Mit dem Establishment und den Etablierten hat er gebrochen. Zunehmend versteht er sich als politischer Mensch – auf der Seite der Linken. Als Widerständler selbst dort. Ein zweiter Film: Dorotheas Rache (Regie: Peter Fleischmann). Es entstehen Männer-Bilder – zum Teil ungeliebte Auftragsarbeiten für Homosexuellen-Magazine. Und er schreibt. Mehr und mehr gehen Text und Bild eine Einheit ein. Der Kunsthandel entdeckt ihn. Sammler kaufen frühe Abzüge. Im Eigenverlag legt er Bildserien auf: «Marlene, Chansons in Bildern von Kerlen», «Chant d'amour», «no retourn». 1981 Ausstellungen in Amsterdam (Galerie Jurka) und in Berlin (Galerie A. Nagel). Erfolg beim Publikum und in den Medien. Im Februar 1982 erkrankt Tobias. Nach drei Monaten Sanatoriums-Aufenthalt tritt kurzfristig eine Besserung ein. Drei Wochen später muß er ins Krankenhaus zurück. Dort stirbt er, 57jährig, am 17. August 1982.

Pali Meller Marcovicz


Herbert Tobias
Männer-Fotografien
aus der Sammlung Pali Meller Marcovicz
(Bibliothek des Blicks Bd. IV)
deutsch, english, français
42 Duotone-Abb., 64 S., geb., 1996
ISBN 978-3-89086-813-4 ISBN 3890868134
€ 29,-

 

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